Die Angst vor Digitalisierung in kleinen Unternehmen ist Unwissenheit
- Kasra Rahmani
- 28. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wenn man mit kleinen Unternehmen spricht, hört man oft dieselben Sätze: „Wir brauchen das nicht.“ „Unsere Kunden kommen auch so.“ „Digitalisierung ist zu kompliziert.“ „Dafür haben wir keine Zeit.“
Was wie rationale Vorsicht klingt, ist in Wahrheit fast immer dasselbe: Unwissenheit. Nicht im Sinne mangelnder Intelligenz – sondern im Sinne eines fehlenden Verständnisses dafür, was Digitalisierung wirklich bedeutet, wie einfach viele Schritte inzwischen sind und welche massiven Folgen es hat, wenn man die Entwicklung ignoriert.
Die Angst entsteht nicht, weil Digitalisierung gefährlich wäre, sondern weil man nicht weiss, was sie leistet – und was passiert, wenn man sie verweigert.
1. Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern eine Überlebensstrategie
Viele KMU sehen Digitalisierung als technisches Monster: zu teuer, zu komplex, zu weit weg vom eigenen Alltag.
Doch Digitalisierung bedeutet in Wirklichkeit:
Prozesse vereinfachen
Fehler reduzieren
Kunden schneller bedienen
Kosten senken
Daten statt Bauchgefühl
Sichtbarkeit statt Unsichtbarkeit
Mit anderen Worten: Digitalisierung bedeutet, das eigene Unternehmen weniger abhängig von Zufällen und Menschenfehlern zu machen und gleichzeitig skalierbarer, professioneller und sicherer zu arbeiten.
Unternehmen, die das nicht verstehen, fürchten etwas, das ihnen in Wahrheit helfen würde.
2. Unwissenheit führt zu falschen Vorstellungen
Viele kleine Unternehmen haben Bilder im Kopf, die Jahrzehnte alt sind: „Digitalisierung bedeutet, alles umbauen zu müssen.“ „Es kostet hunderttausende Franken.“ „Es dauert Jahre.“
Diese Vorstellungen sind falsch.Heute bedeutet Digitalisierung oft:
Tools nutzen, die 10–30 CHF im Monat kosten
Automatisierungen einführen, die in Stunden statt Monaten umgesetzt werden
Kommunikation vereinfachen
Abläufe sichtbarer machen
Marketing endlich planbar führen
Doch wer es nicht weiss, fürchtet es. Unwissenheit verstärkt Angst. Und Angst verhindert Fortschritt.
3. Die Welt bewegt sich weiter – auch ohne dich
Was viele KMU unterschätzen: Digitalisierung ist keine optionale Entscheidung. Sie passiert sowieso. Die Konkurrenz digitalisiert. Die Kundschaft digitalisiert. Die Mitarbeitenden erwarten digitale Tools. Die Lieferanten arbeiten digital. Der Markt wird digital geführt.
Unternehmen, die sich weigern, bleiben nicht einfach stehen - sie fallen zurück.
Der internationale Vergleich zeigt das deutlich:
China, Japan, Korea und die UAE sind beim Einsatz neuer Technologien teils 10–15 Jahre voraus.
In DACH dagegen zögern viele KMU, selbst einfache digitale Prozesse einzuführen.
Laut Studien nutzt ein grosser Teil der österreichischen und deutschen KMUs weniger als die Hälfte ihres digitalen Potenzials.
Schweizer KMUs sind zwar stabil, aber nicht innovativ genug: Die OECD weist seit Jahren auf mangelnde Digitaladaption im Mittelstand hin.
Unwissenheit führt zu Verzögerung. Verzögerung führt zu Wettbewerbsnachteilen. Wettbewerbsnachteile führen zu Marktverlust.
4. Digitalisierung scheitert nicht an Technik, sondern an Haltung
Die meisten digitalen Projekte scheitern nicht daran, dass Tools kompliziert wären – sondern daran, dass Entscheider Angst haben.
Typische Beispiele:
Man will keine Software testen, weil „wir das noch nie gemacht haben“.
Man lehnt Social Media ab, weil man „nicht weiss, was man posten soll“.
Man verweigert Automatisierungen, weil man „kontrollieren will, was passiert“.
Man verschiebt neue Initiativen auf das nächste Jahr – jedes Jahr.
Das Problem ist nie die Technik. Das Problem ist die innere Blockade.
Wenn Digitalisierung als Bedrohung empfunden wird, statt als Chance, trifft man die falschen Entscheidungen oder gar keine.
5. Die Folgen der Angst sind real – und teuer
Unwissenheit hat konkrete Auswirkungen:
Kunden wandern zu digital stärkeren Anbietern ab
Fachkräfte meiden Unternehmen, die rückständig wirken
Prozesse bleiben ineffizient und kosten Zeit
Marketing bleibt unprofessionell
Innovation bleibt aus
Skalierung wird unmöglich
Das Resultat ist immer gleich: Man verliert den Anschluss - oft langsam, aber unaufhaltsam.
6. Wissen nimmt Angst – und öffnet Türen
Die Lösung ist erstaunlich simpel: Digitalisierung beginnt nicht mit Technik. Sie beginnt mit Wissen.
Wer versteht, wie Tools funktionieren, verliert die Angst davor. Wer sieht, wie andere Unternehmen profitieren, erkennt den Mehrwert. Wer lernt, wie Social Media, Automatisierung und Datenanalyse funktionieren, sieht plötzlich Möglichkeiten statt Risiken.
Der erste Schritt zur Digitalisierung ist nicht Software. Der erste Schritt ist Aufklärung.
Fazit
Die Angst kleiner Unternehmen vor Digitalisierung ist kein technisches Problem, sie ist ein Wissensproblem. Wer nichts versteht, fürchtet alles. Wer versteht, verliert die Angst. Und wer die Angst verliert, gewinnt Zukunft.
Digitalisierung kommt sowieso. Die Frage ist nur: Bist du Teilnehmer – oder Zuschauer?
